András Petöcz
Fremde
"Das Lügen hat mir meine Mutter beigebracht", sagt am
Anfang des Romans die Erzählerin, ein achtjähriges Mädchen. Dann fährt sie,
etwas weiter, so fort:
"Aber ich
muss dazu auch sagen, dass es hier nicht um das Lügen geht. Meine Mutter hat mir das Lügen beigebracht,
damit ich überlebe. Das ist alles.
Auch weiß
ich nicht, wozu ich am Leben bleiben musste. Es wäre alles viel einfacher, wenn
ich auch so geendet hätte wie Amelie. Dann müsste ich jetzt diese Geschichte
nicht erzählen.
Auch weiß
ich nicht genau, ob ich wirklich deshalb am Leben geblieben bin, weil ich lügen
kann.
Ich weiß
auch nicht, ob ich überhaupt gelogen habe. Klar, habe ich mal gelogen, jeder
lügt mal. Auch die Erwachsenen. Mit Worten, mit Gesten, mit Benehmen. Jeder,
wie er kann. Weil jeder immer überleben
will. Irgendetwas überleben. Wenn ich nur wüsste, wozu.
Als
Amelie starb, hat sie gar nicht gelitten, wenn ich mich recht erinnere. Wir,
wir haben gelitten. Wir, die ihren Tod miterlebt haben.
Ihren Tod
und den der anderen."
Aus den
Worten der erzählerin geht nicht hervor, wo und wann der Roman Fremde spielt. Irgendwo in Europa oder
am Rand von Europa, aber möglicherweise auch auf dem amerikanischen Kontinent
oder in Asien. Vielleicht im zwanzigsten Jahrhundert oder aber im ersten
Jahrzehnt des einundzwanzigsten Jahrhunderts. Mit Sicherheit können wir nur
wissen, dass wir gerade dreißig Minuten vor dem Krieg sind.
András
Petcöz ist 1959 in Budapest geboren. Ab den 80-er
Jahren wird er zu einer der markanten Gestalten der ungarischen Literatur, die
später auch beim Regimewechsel eine wichtige Rolle spielt. Noch vor der Wende
gibt er das Underground-Periodikum Medium-Art
heraus und nimmt an illegalen politischen Aktionen teil. Er arbeitet auch als
Ungarn-Redakteur für die in der Pariser Emigration erscheinenden Zeitschrift
für Literatur und Kunst, Magyar Mühely
(Ungarisches Atelier). Sein im Jahr 1990 erschienenes Gedicht, Die Metapher Europas, wird zum Symbol
der Wende und als schönstes Gedicht des Jahres mit dem Graves-Preis ausgezeichnet. In den 90-er Jahren ist Petöcz Gastdozent
für zeitgenössische Literatur an der Humanistischen Universität in Budapest.
1998 hält er Vorlesungen im Rahmen des Internationaln Schriftsteller-Seminars
in den USA, seine Arbeiten, ein Drama und mehrere Gedichte, kann auch das
Theaterpublikum in New York und Portland kennen lernen. 2001 ist er Gast des
YADDO Künstler-Ateliers im Staat New York. András Petöcz ist Autor von rund 20 Büchern. 1996 erhält er für seinen Gedichtband A tenger dicsérete ( Lob des Meeres) den
bedeutenden József-Attila-Preis von
der ungarischen Regierung. 2006 wird ihm in Paris der Aschberg Schöpfer-Preis der UNESCO verliehen. Im Jahr 2008 erhält er für seinen Erzählband
Arcok (Gesichter) den Pro-Literatura-Preis der Vereinigung
Ungarischer Künstler. Für seinen jetzt auch in deutscher Sprache
erscheinenden Roman Fremde wurde Petöcz
2008 von der Regierung mit dem Sándor-Márai-Preis
ausgezeichnet.
Englisch
Broschur, 13x20 cm, 240 Seiten
ISBN 9783933337726
19,50 Euro
Ulrich Effenhauser Moeller entpuppt sich
Ein Criminal- und Liebesroman
aus der Zeit Goethes
Johann Phillip Moeller, hoher
Staatsbeamter in der Umbruchszeit des 18. Jahrhunderts, flieht vor
bürokratischer Enge, faden Mitmenschen und vor der schwierigen Liebe zu einer
Frau nach Süden. Auf der Reise in der Kutsche erinnert er sich an den
Verlauf dieser Beziehung, die er durch seine Flucht beendet hat. Moeller
begegnet spätsommerlichen Naturschauspielen, wundersamen Menschen und
rätselhaften Erscheinungen, zum Beispiel einem nächtlichen Waldbrand, dessen
Ursache er sich nicht erklären kann. Angekommen in der alten Reichsstadt
Regensburg möchte er eigentlich nur ein paar Stunden ausruhen, doch ziehen ihn
die Geschichten eines greisen Gelehrten und eines zügellosen Reichstagsgesandten magisch in ihren
Bann. Ein unaufgeklärter Mordfall scheint dabei mit seiner Vergangenheit
zusammenzuhängen, und Moeller wird klar, was seinen seltsamen Erlebnissen
zugrunde liegt. - Durch eine außerordentliche Begebenheit wird sich der Kreis
in unserer Zeit schließen ...
Die Reise Moellers ist Rätsel und Lösung
zugleich - ein literarisches Spiel mit Hauptfigur und Leser, tiefgründig,
doppelbödig und spannend.
"Liebevoll verwebt Effenhauser die Handlungsstränge, löst konsequent Spannungsbögen ein, die er aufgebaut hat. Hat seine Freude an Details. Wer Regensburg kennt, erfreut sich am Lokalkolorit im Roman, das mehr ist als Kulisse." (Mittelbayerische Zeitung vom 8. 10. 2009)
ISBN 978-3-933337-70-2 Englisch-Broschur, 13x20 cm, 206
Seiten
19,50 Euro

Zsuzsanna Ferenc
Kiks Affären
Auch in jenem Jahr kam der Frühling, die Bäume
schlugen aus, die Blumen knospten usw. Kik ließ sich davon nicht beirren. Sie
wusste wohl, dass der Frühling nicht nach dem Kalender anbricht, sondern weil
die Frauen mit dem Großreinemachen beginnen und dünnen Kleiderstoff einkaufen.
Ihr wurde auch klar, dass der Sommer deswegen
kommt, weil die Frauen sich verlieben und die Unterwäsche an der Sonne
trocknet.
Der Winter ist ganz sicher der Treulosigkeit der Männer zu
verdanken, die Fröste wachsen offensichtlich in den gleichen Trinkgläser heran,
denen der Frauen Traurigkeit entspringt. Rückwärts
gelesen, heiße ich auch Kik. Die Quersumme meines Geburtsdatums ist 2. Die
meiner Kinder 3, 9 und 7. Die Summe daraus ist neuen. Addiere ich die drei
Buchstaben meines Namens, kommt drei heraus. Denn zwölf ist eins und zwei. Da
habe ich den Bock geschossen, dass ich das Buch nicht am dritten geschrieben
habe. Die Seitenzahl ist 200, also zwei. Plus drei ist fünf. Zähle ich die nun
die Hausnummer dazu, kommt eins heraus. Damit ist klar, dass ich keinen
Brustkrebs haben kann. Roman
ISBN 978-3-933337-60-3 250 Seiten, Englisch Broschur, 13x20 cm 19,50 Euro
Iván Andrassew
Das Königreich am Rande Novellen
Iván Andrassew ist einer der bekanntesten
Journalisten in Ungarn. Als Feuilletonist verschiedener Zeitschriften hat er
sich mit seiner ehrlichen Stimme, seinen grausamen Geschichten, seinen Helden,
die selbst im Alltag auf eine besondere Art leben, einen Namen gemacht. Der
Autor torkelt stets irgendwo in der Nähe der Hölle herum, entweder, weil er den
Verlockungen seiner Helden nicht widerstehen kann, oder, weil er seine Helden
zum Vorhof der Hölle lockt oder gar dorthin schubst.
Jede Erzählung des Novellenbandes "Königreich am
Rande" ist ein außergewöhnliches Märchen über die Menschen unserer Zeit.
Die Illustrationen schuf der bekannte Grafiker Béla
Tettamanti.
ISBN 978-3-933337-19-1 122 Seiten, 14 s/w Zeichnungen, 12x20 cm, Englisch-Broschur 14,90 Euro
Dieter Mickisch Ein(e)Sicht Die aus neun Bildern entstandene Erzählung zeigt ein paar Lebensabschnitte des Arbeiterkindes Moritz. Die Schilderung gibt gleichzeitig EINSICHT in einen Teil des Ruhrgebiets, dem Teil, in dem Moritz aufwächst und anschließend sein Brot verdient. Gestartet als Kommunal-Beamter, zwischenzeitlich Polizist, ist er am Ende arbeitslos. Kann er sich mit eigener Kraft aus der mißlichen Lage befreien?
ISBN 3-933337-03-8, kartoniert, 70 Seiten, 8,40 Euro
Iván Mándy Einsam und verloren. Zwei phantastische Erzählungen aus der Budapester Welt kleiner Leute Iván Mándy (1918-1995) ist „weniger“ als ein „ungarischer“ Schriftsteller, er ist ein „Budapester“ Erzähler. In seinem Universum begegnen uns die Erniedrigten und Beleidigten, die Zukurzgekommenen, die ins Abseits Geratenen, die Außenseiter, die kleinen Spinner und Emporkömmlinge, die Phantasten, die Dinge des alltäglichen Lebens, von denen sich herausstellt, dass sie eine Seele haben, Wesen sind wie du und ich. Die kleinen Leute sind es, die seine schriftstellerische Phantasie beflügeln. Zwar ist er durch das Umfeld, in dem seine Helden agieren, ein Autor, der auf Budapest beschränkt zu sein scheint, dennoch aber sprengt er den Rahmen, ohne ihn je zu verlassen, und beweist sich als ein Erzähler, für den die geographische Einengung zugleich die Möglichkeit bietet, ein eigenes Universum zu erschaffen, eine eigene Welt, die durch den einmaligen Blick Iván Mándys zwar etwas, vielleicht sogar sehr viel, mit Budapest zu tun hat, sich zugleich aber darüber zu erheben vermag, um eine Dichtung entstehen zu lassen, die sich der Provinz Budapest entzieht, um so etwas wie Weltliteratur zu werden. Insofern darf behauptet werden, dass Mándy eben mehr ist als ein „Budapester“, mehr als ein „ungarischer“ Autor. Kartoniert, 132 Seiten, ISBN 3-933337-31-3, 12,90 Euro
György Berkovits
Briefe vom Jahrhundertende - Essays -
Mit den Briefen vom Jahrhundertende stellt sich dem Lesepublikum ein ungarischer Autor vor, dessen Romane, Novellen, Soziographien und Essays bisher noch nicht ins Deutsche übersetzt wurden. Wer in die bravouröse Sprachwelt seiner Essays eintaucht, kann teilhaben am Lebensgefühl ungarischer Intellektueller, das noch von der Aufarbeitung der Geschehnisse vor der politischen Wende geprägt ist, aber bereits auch das neue System in Frage stellt: Blieben trotz politischer Wende und hoffnungsvollem Neubeginn in den ehemaligen Ostblockländern nicht wesentliche Dinge unverändert? Werden Sprache und Medien mehr und mehr zur Irreführung der Menschen benutzt? Wie können Verbrechen eigentlich salonfähig gemacht werden? Wie wurde Geschwindigkeit zum Kennzeichen der Macht? Ist ein Ungar jüdischer Herkunft anders als ein Ungar madjarischer Herkunft? Die Erörterung solcher Themen geschieht durchaus nicht ohne spitzfindigen Humor, und oft schwingt jene Selbstironie mit, die für das kleine Volk zwischen Ost- und Westeuropa zur Überlebensstrategie geworden ist.
12,0 x 20,0 cm, kartoniert, 248 Seiten ISBN 3-933337-08-9 14,50 Euro
István Gábor Benedek
Das verbrannte Foto - Erzählungen -
István Gábor Benedek hat zur Zeit des Holocaust als 7-jähriges Kind 6 Monate in Österreich gelitten, ein weiterese halbes Jahr in Bergen-Belsen. Diese Erlebnisse bereicherten und befruchteten seine literarische Tätigkeit, in der der bisher größte Erfolg die Sammlung von Kurzerzählungen Das verbrannte Foto in ungarischer Sprache war, die jetzt in deutscher Übersetzung vorgelegt wird. Ein Teil der Erzählungen spielt sich im südungarischen Dorf Tótkomlós ab, in das seit dem 18. Jahrhundert Juden aus Galizien und dem Balkan einwanderten. Mit seinen Erinnerungen rettet István Gábor Benedek einige für die Nachwelt bedenkenswerte Momente aus der Welt dieses ungarisch-jüdischen Dorfes. Den zweiten Schwerpunkt dieser Erzählungen bildet die Beschreibung der jüdischen Lebensweise nach dem Krieg, des komplizierten Prozesses der Integration der wenigen Rückkehrer aus den Lagern in die neue ungarische Gesellschaft.
ISBN 3-933337-09-7 13,5 x 21 cm, gebunden mit Schutzumschlag 19,50 Euro
Attila Hazai
Budapester Schizo - Roman -
Der Autor entnimmt seine Geschichte der post-modernen Wirklichkeit der in die EU aufbrechenden Metropole Budapest, der Globalität der westlichen Mediengesellschaft begegnet er mit einer gehörigen Portion Pragmatismus. Die Ereignisse tragen sich in Wohnzimmern zu und handeln von der Welt. Drogen, Liebe und Dialoge machen das Leben im City aus, nach dem Motto: Denken ist um die Ecke. Der Autor lehnt sich in seinem Roman an das Buch American Psycho von Elias an, ohne aber seine Brutalität und Vulgarität zu übernehmen. Er begegnet jedoch Sexualität und Liebesakt mit einem unbefangenen, sprachlichen Umgang. Hazai ist ein Vertreter der Minimal Prosa vom feinen tief- bzw. abgründigen Humor.
12,0 x 20,0 cm, kartoniert, 11 s/w Abbildungen ISBN 3-933337-07-0 14,50 Euro
Janusz Rudnicki
Der Grenzgänger - Erzählungen -
Geboren 56. In Kozle. Ehedem deutsche Kleinstadt bei Oppeln. An einem Haus eine riesige Inschrift: "Nach 700 Jahren heimgekehrt ins Mutterland". Wir kratzen uns alle am Kopf: Mutterland? Nach siebenhundert Jahren? Die "Solidarnosc" ist mein zweites Personaldokument, ob mir das heute gefällt oder nicht. Ich habe gesessen, vom Beginn des Kriegszustandes an bis fast zum Schluß. 83 reiste ich mit meiner Familie nach Deutschland aus. Ich reiste nicht aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen aus. Ich reiste aus, weil ich noch jung war und neugierig auf die Welt. Ich reiste nach Deutschland aus, denn Deutschland liegt in der Nähe von Polen. "Der Grenzgänger" ist eine Auswahl aus drei in Polen erschienen Büchern. Dieses Buch ist eine Auslese, eine Prosa-Brühe aus allem, was ich bisher geschrieben habe. Es ist Rudnicki auf einem Silbertablett serviert.
12,0 x 20,0 cm, kartoniert, 232 Seiten ISBN 3-933337-23-2 14,90 Euro
Marek Bienczyk
Terminal
Seine Liebesgeschichte, ein fast zweihundertseitiger Monolog, ist genauso romantisch wie deliriös, sarkastisch, schrullig, unfaßbar, erbarmungslos, herzzerreißend, unheimlich, subtil. Wir haben es hier mit einem überreichen Schreibstil und mit einem Autor der Spitzenklasse zu tun. Terminal ist ein literarisches Ereignis und Marek Bienczyk eine literarische Offenbarung. Marek Bienczyk wurde 1956 in Milanówek bei Warschau geboren. Studierte Romanistik an der Warschauer Universität. Essayist, Übersetzer. Lebt in Warschau
12,0 x 20,0 cm, kartoniert, 188 Seiten ISBN 3-933337-24-0 11,45 Euro
Evelin Oertelt
Ungarn – nicht nur Paprika und Piroska
Ein humoriger Erlebnisbericht
Evelin Oertelt ist journalistisch im Kulturbereich tätig, schreibt aber auch Gedichte, Kurzgeschichten und lyrische Prosa. Seit sie und ihr Mann einem „Immobilien-Schnäppchen“ am Plattensee nicht widerstehen konnten, wurde Ungarn zur zweiten Heimat. Augenzwinkernd und mit hintersinnigem Wortwitz lässt die Autorin den Leser teilhaben an ihrem deutsch-magyarischen Spagat und zoomt Alltägliches, Skurriles, allzu Vertrautes und Unbekanntes außerhalb touristischer Sichtweise heran. Wer weiß beispielsweise, dass ungarische Frauen mit der Heirat nicht nur den Nachnamen, sondern auch ihren Vornamen verlieren?
ISBN 3-933337-33-X Kartoniert, 224 Seiten, 16,00 Euro
Weitere Informationen zu diesem Buch erhalten Sie unter:
www.ungarnbuch.de
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